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Auftakt der OVB-Landwirtschaftsserie

Darum ist die Region Rosenheim ein erstklassiger Standort für Landwirtschaft

Die Region Rosenheim ist geprägt von Wiesen, Wäldern, Äckern und Bergen. Auf unserem Bild sind im Vordergrund die Felder zwischen Aising und der B15 zu sehen.
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Die Region Rosenheim ist geprägt von Wiesen, Wäldern, Äckern und Bergen. Auf unserem Bild sind im Vordergrund die Felder zwischen Aising und der B15 zu sehen.

Die Region Rosenheim ist ein erstklassiger Standort für Landwirtschaft. Warum das so ist und wie sie sich in den vergangenen 30 Jahren in Stadt und Landkreis verändert hat, beleuchten wir zum Auftakt der Serie „Landwirtschaft im Wandel – Blick auf drei Jahrzehnte“.

Rosenheim – In der Region Rosenheim gedeiht das Gras prächtig, der Mais ebenfalls, und die Kühe geben auch prächtig viel Milch. So sagt es Wolfgang Hampel, der zehn Jahre Leiter des Rosenheimer Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten war und seit Kurzem in Ruhestand ist, im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Das Wort „prächtig“ fällt häufiger.

Doch warum ist das so? Warum ist Rosenheim eine erstklassige Landwirtschaftsregion – und das seit so vielen Jahrzehnten? Die Gründe sind laut Wolfgang Hampel vielfältig und bedingen sich gegenseitig. Man kann sich dazu einen Kreislauf vorstellen. Am Anfang steht die gute geografische Lage, die Nähe zu den Alpen. Ein Teil der Region liegt im Rosenheimer Becken, ein Überbleibsel des Rosenheimer Sees, der in einer Eiszeit aus dem abschmelzenden Inn-Gletscher entstand.

+++ Hier finden Sie alle weiteren bislang erschienenen Teile der OVB-Serie „Landwirtschaft im Wandel. +++

Aus der Geografie ergibt sich das Klima. In der Region regne es viel, sagt Hampel. 1000 Liter pro Quadratmeter im Jahr seien es im Durchschnitt, „relativ schön verteilt“ über die einzelnen Monate. „Das ist wichtig für den Ertrag im Grünland und den Silomais“, erklärt er.

Temperaturen sind gestiegen

Hinzu kommen relativ warme Temperaturen. Die Jahresdurchschnittstemperatur lag in den vergangenen Jahren zwischen neun und zehn Grad Celsius. Das sei sehr gut für einen fruchtbaren Futterbau, ergänzt Hampels Kollegin Anna Bruckmeier. Die Temperaturen seien über die Jahrzehnte sogar gestiegen. Das habe wiederum die Folge, dass auch die Vegetationsdauer um zwei Wochen länger sei, was sich positiv auf die Erträge auswirke.

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Ein Beispiel: das Mähen der Wiesen. „ Vor 40 Jahren war es völlig normal, Anfang bis Mitte Mai zum ersten Mal zu mähen. Jetzt fangen die Ersten schon im April an“, sagt Hampel. In der Rosenheimer Region werde das Gras zumeist sechs Mal pro Jahr geschnitten. Im benachbarten Landkreis Miesbach im Oberland seien es nur vier Mahden, weil „die klimatischen Bedingungen dort ganz anders sind“. Im Moment profitierten die Landwirte laut Anna Bruckmeier noch von den gestiegenen Temperaturen, vom Klimawandel. „Aber das ist nur eine Momentaufnahme. Das kann sich ganz schnell ändern.“

Fünf Molkereien im Landkreis

Im Landkreis Rosenheim gedeiht das Grünland also prächtig – genauso wie Silomais, von dem die Landwirte in den vergangenen 30 Jahren immer mehr angebaut haben. Im Jahr 1990 waren es rund 6000 Hektar, 2020 ist die Zahl auf mehr als 10 000 gestiegen. Die Region ist eine Futterproduktionsmaschine und das ist Anna Bruckmeier zufolge auch genau der Grund, warum sie ein Milchstandort ist. Insgesamt fünf Molkereien haben sich im Landkreis angesiedelt.

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Das Gras gebe den Kühen Eiweiß, der Silomais versorge sie mit Energie. Ist das Futter hochwertig, würden die Tiere auch viel Milch geben. Und das Gras sei eben besonders gut, wenn es jung ist. Wobei man wieder bei der sechsmaligen Mahd ist. Dass dabei ein gewisses Missverhältnis zwischen dem häufigen Mähen und der Artenvielfalt auf den Böden bestünde, bestätigt Hampel. In diesem Spannungsfeld würden Landwirte produzieren.

Landwirtschaftliche Fläche zurückgegangen

Die landwirtschaftlich genutzte Fläche im Landkreis ist in 30 Jahren um zehn Prozent gesunken. Klinger

So wie sich die Temperaturen in der Region und die Anzahl der Mahden verändert haben, hat sich auch bei der landwirtschaftlichen Fläche einiges getan. Im Zeitraum von 1990 bis 2020 ist die Fläche, die in der Region landwirtschaftlich genutzt wird, um beinahe zehn Prozent zurückgegangen. „Das ist viel für 30 Jahre“, sagt Hampel. Derzeit werden 67 250 Hektar – oder rund 94 000 Fußballfelder – genutzt. Das sind 46 Prozent der Gesamtfläche von Stadt und Landkreis Rosenheim, wie aus Hampels Statistik hervorgeht.

Die Gründe für den Rückgang sind – wie alles in der Landwirtschaft – komplex. Straßen wurden gebaut und Wohn- sowie Gewerbegebiete geschaffen, zählt der Amtsleiter auf. Aber nicht die gesamten zehn Prozent, die nicht mehr für Landwirtschaft verfügbar sind, seien versiegelt worden, wirft Anna Bruckmeier ein. Ein Teil sei „ökologischen Ausgleichsflächen“, weil an anderer Stelle etwas gebaut wurde. „Es ist wichtig, diese Unterscheidung zu machen“, sagt sie.

Brenner-Nordzulauf ist großes Problem

Da spiele auch der Wald eine Rolle. Denn immer, wenn man einen Teil rodet, muss man ihn wieder aufforsten. So steht es im Bayerischen Waldgesetz. Und das geschehe meist auf Kosten von landwirtschaftlichen Flächen, erklärt Hampel. So werde es auch bei der geplanten Trasse des Brenner-Nordzulaufs in der Region sein. Durch das Bauwerk verliere man noch viel mehr landwirtschaftliche Fläche als Wald, denn dieser müsse ja ausgeglichen werden.

Negativ sei das vor allem für die Bauern, die auf diese Flächen angewiesen seien. Und die die Region Rosenheim zu dem Landwirtschaftsstandort machen, der sie ist.

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