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Prozess zum tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße

Überraschungszeuge aus Raubling will alles gesehen haben – aber wer glaubt ihm?

Samerberg-Prozess Miesbacher Straße Rosenheim Landgericht Traunstein Revision
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Der Angeklagte (links) im großen Saal des Traunsteiner Landgerichts. Wegen des tödlichen Unfalls auf der Miesbacher Straße in Rosenheim muss er sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Neben ihm seine Verteidigerin Iris Stuff.

Rosenheim/Traunstein - Es geht weiter: Noch immer hofft das Landgericht durch weitere Zeugen auf neue Erkenntnisse zum tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim 2016. Am inzwischen sechsten Verhandlungstag wird unter anderem die Beifahrerin des überholenden VW Golf vernommen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sechster Verhandlungstag im Prozess um den tödlichen Unfall in der Miesbacher Straße.
  • Weitere Zeugen werden am Donnerstag werden erwartet.
  • Die Beifahrerin spricht über Ihre Sichtweise auf den schreckliche Unfall und dem vorangegangenem Überholmanöver.
  • Ein Überraschungszeuge aus Raubling will alles gesehen haben. Doch die Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit sind groß.

Update, 16.55 Uhr - Überraschungszeuge will alles gesehen haben – aber glaubt ihm wer?

Er behauptet, den schrecklichen Unfall auf der Miesbacher Straße direkt von hinten gesehen zu haben – von ihm wusste noch keiner der Prozessbeteiligten. Weder in diesem Verfahren, noch in den anderen Prozessen der vergangenen Jahren. Doch vor drei Wochen meldete sich ein 27-jähriger Raublinger plötzlich bei der Polizei. Nun steht er als Zeuge vor Gericht. Die BMW-Fahrer kennt er von früher.

Es ist der letzte Zeuge im Prozess. Eigentlich müsste das Gericht dankbar um so einen Zeugen sein, der alles beobachtet haben will – nur: Die Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit sind groß. Denn kein anderer der vielen Zeugen berichtete von einem weiteren Auto – weder die BMW-Insassen, noch der Golf-Fahrer, auch seine Beifahrerein oder andere Autofahrer nicht. Auch kein Ersthelfer berichtete, den Raublinger je an der Unfallstelle gesehen zu haben.

„Der Golf war für die beiden BMW-Fahrer ein gefundenes Fressen. Die haben vor dem Golf gebremst und Gas gegeben, gebremst und Gas gegeben.“ Dann habe er gesehen, wie der Golf auf der Miesbacher Straße überholte, aber die BMW hätten beschleunigt, so dass die Lücke zum Einscheren zu klein wurde. „Dann sind nur noch die Spreißel geflogen und danach war es totenstill.“ Ungefähr 200 Meter hinter den Autos sei er hinterhergefahren.

Richterin Heike Will liefert sich lange Diskussionen mit dem Zeugen, will ihn auf Widersprüche in seiner Aussage aufmerksam machen. Und obwohl der 27-Jährige die Unfallversion der Anklage im Prinzip bestätigt, scheint ihm auch Staatsanwalt Jan Salomon nicht zu glauben. Auch, als die Zeugenaussage eigens protokolliert wird, bleibt der Mann bei seiner Version. Auch er habe in seinem Auto eine Beifahrerin gehabt. Aber die Urlauberin von der Ostsee, die er auf einer Dating-App kennengelernt habe, sei nicht mehr auffindbar.

Weil er so geschockt gewesen sei und dann schon weitere Helfer eingetroffen seien, habe er nicht geholfen und sei vom Unfallort wieder weggefahren. Am Tag danach habe er sich bei der Rosenheimer Polizei gemeldet – laut Richterin Will ist dort aber kein Anruf von ihm dokumentiert. Und er behauptet: Auf dem Beifahrersitz des vorderen BMW, dessen Fahrer schon verurteilt wurde, sei eine Frau mit langen Haaren gesessen. Der männliche Beifahrer wurde aber ebenfalls schon als Zeuge gehört. Der 27-jährige Raublinger kann sich das nur durch einen spontanen „Beifahrerwechsel“ erklären. Bei vielen im Gerichtssaal herrscht Kopfschütteln.

Der Prozess wird am 15. Juni mit dem Verkehrsgutachten fortgesetzt. Am 18. Juni sollen die Plädoyers gehalten werden, das Urteil wird am 25. Juni erwartet.

Update, 13.27 Uhr - „Was macht der jetzt?“ Beifahrerin berichtet von irrem Überholmanöver des Golf

Ich verstehe es bis heute nicht“ - mehrmals ist dieser Satz von jener Frau zu hören, die auf dem Beifahrersitz des überholenden VW Golf saß. Sie wird nun als Zeugin vernommen. Das Überholmanöver des Fahrers, den sie nur einige Stunden zuvor zum ersten Mal im Leben traf, wirft bei ihr noch immer viele Fragen auf.

Sie lernten sich übers Internet kennen und verabredeten sich für ein erstes Treffen „in der Mitte“, in Rosenheim – er aus Ulm, sie aus Steyr. Man teilte das gleiche Hobby, nämlich Golf GTI, ging in Rosenheim essen, Alkohol wurde keiner getrunken. Dann begann eine lange Irrfahrt rund um die Stadt, weil man – trotz Navi – das Auto der heute 44-jährigen Frau nicht mehr finden konnte. Beide kannten sich in Rosenheim schließlich nicht aus.

„Er fuhr währenddessen ganz unauffällig. Nach einer Kreuzung wurden wir dann von zwei BMW überholt“, berichtet die Beifahrerin des Golf. Einer der BMW gehörte dem Mann, der jetzt wegen fahrlässiger Tötung angeklagt ist. Aber: „Die überholten uns ganz normal, haben uns nicht geschnitten, hatten normalen Abstand und sind ganz gewöhnlich weitergefahren“, so die Frau.

Plötzlich dann der „Schock“, von dem sie auch selbst spricht: „Kurz danach hat er so Gas gegeben, dass ich in den Sitz gedrückt wurde. Er hat ganz starr nach vorne geschaut, ganz starr, und nichts mehr gesagt.“ Die beiden BMW wurden wieder eingeholt und zum Überholen ausgeschert. „Ich war direkt geschockt und hab mich gefragt, was der jetzt macht. Ich versteh‘ es bis heute nicht. Weil den restlichen Tag ist er ja ganz normal gefahren.“

Als auf einmal die Scheinwerfer vom entgegenkommenden Auto der Samerbergerinnen vor ihr waren, habe sie gedacht, „das war‘s“ - dann sind die Erinnerungen weg. Die Lücke zum Einscheren sei zu klein gewesen, sagte die heute 44-Jährige bei einer ersten Vernehmung wenige Tage nach dem Unfall im Krankenhaus. Inzwischen kann sie sich nicht mehr daran erinnern.

„Was meinen Sie, wer war an dem Unfall schuld?“, fragt Richterin Heike Will geradeheraus: „Ich verstehe nicht, warum er so gefahren ist. Er hat sich auch nie bei mir entschuldigt. Warum steht er nicht dazu? Ich freue mich, dass ich noch lebe“, so die Zeugin aufgebracht. Ihre Beine wurden beim Unfall gebrochen, ihr linker Fuß zertrümmert. Zehn Operationen musste sie durchmachen. Weil sich Reha und Therapien hinzogen, ist die Frau noch immer nicht berufstätig.

Außerdem wurde heute vor dem Landgericht bekannt, was der angeklagte 28-Jährige nach dem Unfall mit seinen Freunden per Whatsapp schrieb. „Ein Golf hat mich überholt und ist ewig auf der linken Spur geblieben. Die wollen uns jetzt die Schuld zuschieben.“ Und einer der BMW-Beifahrer schrieb in der Whatsapp-Gruppe der Clique: „Diesmal sind wir kein Rennen gefahren.“ Die Lücke zwischen den Autos wird von einem auf 50 bis 100 Meter geschätzt, von einem anderen BMW-Insassen auf etwa 150 Meter.

Dass der Abstand zwischen den BMW dagegen gering gewesen sein muss, schlussfolgerte der zuständige Staatsanwalt, der zur Unfallstelle gerufen wurde. Denn: Das Trümmerfeld auf der Miesbacher Straße nach dem Frontal-Crash sei erheblich gewesen - „da hätte man nicht mehr hindurchfahren können“, der Abstand könne also nicht so groß gewesen sein. Andererseits sagte eine der Ersthelferinnen als Zeugin auch bereits aus, dass nach dem Unfall ein zufällig vorbeikommendes Auto nicht stehenblieb, sondern einfach an der Unfallstelle vorbeifuhr.

Ein weiterer Zeuge wird heute noch gehört, womöglich wird auch der Verkehrsgutachter noch befragt.

Vorbericht

Welche Erkenntnisse und - womöglich - Wendungen bringt der inzwischen sechste Tag im „Samerberg-Prozess“? Am heutigen Donnerstag (10. Juni) geht es ab 9.30 Uhr am Traunsteiner Landgericht weiter. Verhandelt wird gegen einen 28 Jahre alten Mann aus Riedering, der für den tödlichen Unfall im November 2016 auf der Miesbacher Straße in Rosenheim mitverantwortlich sein soll. Er ist unter anderem wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Laut Staatsanwaltschaft hat er einem überholenden VW-Golf-Fahrer keine Lücke zum Einscheren gelassen - die Folge war ein Frontalunfall mit zwei tödlich verunglückten jungen Frauen vom Samerberg.

Tödlicher Unfall auf Miesbacher Straße: Sechster Verhandlungstag im „Samerberg-Prozess“

Am Donnerstag werden weitere Zeugen erwartet - darunter auch eine ganz wichtige: Die Beifahrerin des überholenden VW Golf. Durch ihre Schreie habe der Golf-Fahrer erst bemerkt, dass er geradewegs in den Gegenverkehr rausche, sagte er selbst aus. Was wird sie berichten, wie sich der Unfall genau zugetragen hat? Beide - Fahrer und Beifahrerin - stehen eigentlich in keinem engen Verhältnis und kommen beide nicht aus der Region. Sie hatten an jenem 20. November 2016 nur deshalb in Rosenheim ihr erstes Treffen vereinbart, weil die Stadt von beiden etwa gleich weit weg liegt. Der Golf-Fahrer wohnte damals in Ulm. Er selbst wurde am gestrigen Mittwoch erneut als Zeuge geladen und schien inzwischen etwas verunsichert.

Was im Revisionsprozess am Landgericht Traunstein bisher geschah

Am ersten Verhandlungstag waren die emotionalen Aussagen der Angehörigen der verstorbenen Frauen zu hören. Am zweiten Prozesstag sagte der Fahrer des vorausfahrenden BMW, sein Beifahrer sowie der Beifahrer des Angeklagten aus. Und auch der überholende Golf-Fahrer wurde zum ersten Mal in den Zeugenstand gerufen. Am dritten Prozesstag brachte Verteidigerin Iris Stuff eine neue Version ins Spiel: Wähnte sich der ortsunkundige Golf-Fahrer beim Überholen auf einer Autobahn und blieb deshalb so konsequent auf der linken Spur? Am vierten Verhandlungstag am Dienstag sagten Angehörige des Golf-Fahrers sowie andere Autofahrer aus, die das „Trio“ kurz vor dem Unfall durch Rosenheim fahren sahen - bereits davor fielen sie durch ihren Fahrstil auf.

Das Urteil war ursprünglich für 15. Juni geplant, doch schon jetzt ist sicher, dass sich dieser Termin nicht halten lassen wird. Weitere Prozesstermine wurden vom Landgericht noch nicht festgesetzt. Zwei Unfallbeteiligte wurden bereits rechtskräftig verurteilt: Der überholende Fahrer des VW Golf bekam eine Bewährungsstrafe in Höhe von einem Jahr und acht Monaten. Der andere BMW-Fahrer erhielt eine Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten, weil er den Überholenden nicht einscheren ließ. Nun wird zum dritten Mal gegen den Riederinger verhandelt. Sein Urteil (zwei Jahre und drei Monate Haft) wurde wegen eines Formfehlers aufgehoben.

xe

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